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Selbstzeugnisse in transkultureller Perspektive

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Selbstzeugnisse in transkultureller Perspektive

 

Willkommen auf der Homepage der DFG-Forschergruppe 530

Der gemeinsame Bezugspunkt der interdisziplinären DFG-Forschergruppe ist die Orientierung auf die schriftlichen Selbstzeugnisse. Lange hat man Selbstzeugnisse für eine typisch europäische Form des Schreibens gehalten und mit eurozentrischen Konzepten von Individualität bzw. des „universalen“ Selbst verbunden, die den Weg in die Moderne teleologisch als Weg in die Freiheit des Subjekts und in die Wirtschaftsformen der westlichen Welt begründen. Dass diese Ansätze zu kurz greifen, haben neuere Arbeiten gezeigt, die Selbstzeugnisse mit neuen Fragestellungen und Methoden erschließen. So wurden in der historischen Selbstzeugnisforschung in den letzten Jahren neue Ansätze entwickelt, die den handelnden Menschen im Kontext seiner kulturellen und sozialen Beziehungen und Prägungen ins Zentrum des Interesses rücken (doing culture, doing gender). In Bezug auf nichteuropäische Kulturen steht die Beschäftigung mit Selbstzeugnissen vielfach erst am Anfang, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. In der DFG-Forschergruppe arbeiten Historikerinnen und Historiker, Literaturwissenschaftlerinnen, Turkologinnen und Turkologen sowie Japanologinnen zusammen, um diese Richtungen zusammen zu führen und sowohl methodisch wie inhaltlich neue Zugänge zu Selbstzeugnissen zu entwickeln.

Ziel der Forschergruppe ist es, die Thematisierung des eigenen Lebens in verschiedenen Kulturen, zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen geographischen Räumen und in spezifischen Interaktionszusammenhängen als kulturelle und soziale Praxis zu untersuchen und in den Kontext gesellschaftlicher Beziehungen zu stellen.

Inhaltlich soll die für westliche Kulturen entwickelte, aber auch für nichteuropäische Kulturen behauptete Auffassung, dass die Entwicklung von Individualität und autobiographischem Schreiben eng aufeinander bezogen seien, aufgebrochen und durch die ergebnisoffene Frage nach den in den Selbstzeugnissen formulierten Personkonzepten ersetzt werden. In der kritischen Auseinandersetzung mit eurozentrischen Konzepten von Individualität, fügt sich das Projekt in die größere Diskussion um das Leitkonzept der „klassischen“ Modernisierungstheorie ein und knüpft an die Diskussion der „Multiple Modernities“ an.

Zentral für die Analyse der Schreibpraktiken und der Lebenslaufkonstruktionen sind die Kategorien Person und Geschlecht. Dichotomisches Denken über die Kategorie der Person (ego- vs. soziozentrisches Personkonzept, resp. westliches, modernes Individuum vs. vormoderne und nicht westliche Gesellschaften) soll ebenso aufgebrochen werden wie die diesen Ansätzen zum Teil entsprechenden binären Geschlechterkonstruktionen. Im Projekt wird an die neueren Ansätze, Geschlecht als mehrfach relationale Kategorie zu verstehen, angeknüpft.

Dabei werden in der zweiten Projektphase der Forschergruppe historische und literaturwissenschaftliche Kompetenzen verbunden und die bisherigen Forschungsschwerpunkte um Fragen nach der Narrativität und Literarizität schriftlicher Selbstthematisierungen erweitert.

Die im Februar 2004 von der DFG bewilligte Forschergruppe arbeitet in der zweiten Förderphase (2007-2010) in vier Teilbereichen an den folgenden Projekten:

I. Ritualisierte Lebensweisen

Leitung: Prof. Dr. Claudia Ulbrich, Historikerin, FU Berlin

Projekt 1

Gastfreundschaft in Selbstzeugnissen: Personkonzepte und ritualisiertes Handeln in der Frühen Neuzeit

  • Bearbeiterin: Dr. Gabriele Jancke
  • Betreuerin: Prof. Dr. Claudia Ulbrich

Projekt 2

Die diplomatische persona im politischen Ritual

2a    Osmanische Gesandtschaftsberichte

  • Bearbeiter: Abdullah Güllüoğlu, M.A.
  • Betreuerin: Prof. Dr. Barbara Kellner-Heinkele   

2b   Westeuropäische Gesandtschaftsberichte

  • Bearbeiterin: Jun.-Prof. Dr. Christine Vogel       
  • Betreuer: Prof. Dr. Peter Burschel

II. Konversionen, Furcht und Gewalt

Leitung: Prof. Dr. Angelika Schaser, Historikerin, Univ. Hamburg

Projekt 3

Die Konstituierung von 'Person' in Beschreibungen von Furcht und Angst. Selbstzeugnisse des Dreißigjährigen Krieges und der „Türkenkriege“ des 17. Jahrhunderts

  • Bearbeiter: Dr. Andreas Bähr
  • Betreuerin: Prof. Dr. Claudia Ulbrich

Projekt 4

Selbstzeugnisse innerchristlicher Konversionen aus dem Heiligen Römischen Reich und den Niederlanden im 17./18. Jh.

  • Bearbeiterin: Dr. Gesine Carl
  • Betreuerin: Prof. Dr. Angelika Schaser

Projekt 5

Bekenntnisse japanischer Kriegsgefangener in chinesischer Kriegsgefangenschaft

  • Bearbeiterin: Dr. Petra Buchholz
  • Betreuerin: Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit

III. Zugehörigkeiten und Modernisierungen

Leitung: Prof. Dr. Hans Medick, Historiker

Projekt 6

   Das Tagebuch als transkultureller Ort bei Heinrich Witt, 1799-1890

  • Bearbeiterin: Christa Wetzel M.A.
  • Betreuer: Prof. Dr. Ulrich Mücke

Projekt 7

Kulturelle Selbstverortung und politisch-gesellschaftliche Handlungsoptionen im spätosmanischen Kontext: die Memoiren und Selbstportraits armenischer fedayis.

  • Bearbeiter: Elke Hartmann M.A.
  • Betreuerin: Prof. Dr. Barbara Kellner-Heinkele

IV. Autobiographisches Schreiben als kulturelle Praxis

Leitung: Prof. Dr. Irmela Hijiya-Kirschnereit

Projekt 8

Narrative Konstruktionen von Männlichkeit in autobiographischen Texten des 15. und 16. Jahrhunderts

  • Bearbeiterin: Franziska Ziep, M.A.
  • Betreuerin: Prof. Dr. Ingrid Kasten

 

 

 


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Aktuelles

Das neue Programm

Forschungscolloquium zur Geschichte der Frühen Neuzeit und zur Historischen Anthropologie

11.04.2012

Im Druck!

"Selbstzeugnis und Person - Transkulturelle Perspektiven"

Der Tagungsband der Abschlusstagung der Forschergruppe

28.02.2012

Neuerscheinung

Petra Buchholz: "Vom Teufel zum Menschen. Die Geschichte der Chinaheimkehrer in Selbstzeugnissen"

27.02.2012

 

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Stand: 12.03.2012

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